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Die Renten werden auch morgen sicher sein

Impressum: Herbert Brändli, Christoph Häberli und Otto Piller  – Artikel in K-Tipp Nr. 4/2010, 24. Februar 2010. Download Artikel. Mit vorhandener Genehmigung.

Was vor Abstimmungen in Inseraten und auf Plakaten behauptet wird, stimmt häufig nicht. Das zeigt die millionenschwere Kampagne der Befürworter der Rentenkürzung.

Diese Todesanzeige war unübersehbar:
«Ihre Rente ist heute in ihrem 26. Lebensjahr dem ideologischen Streben von Gewerkschaftsbund, Unia und K-Tipp zum Opfer gefallen.» Mit diesem Inserat im «Blick am Abend» (siehe Bild) prophezeiten die Jungfreisinnigen des Kantons Zürich den Verlust der Pensionskassenrente, falls am 7. März an der Urne kein Ja eingelegt wird.

In zahlreichen anderen Inseraten und Plakaten wird seit Monaten für die Ja-Parole zur Senkung des Umwandlungssatzes geworben. Dabei werden die Tatsachen auf den Kopf gestellt, die Stimmbürger mit Falschbehauptungen absichtlich verwirrt. Dies das Fazit der drei Vorsorge-Spezialisten (siehe unten), die fünf Anzeigen der Befürworter der Rentenkürzung unter die Lupe genommen haben

  

Behauptet wird:
Die Renten werden aufgehoben.

Tatsache ist:
Brändli: «Die Jungfreisinnigen bezichtigen ihre Gegner des Rentenmords. Das ist eine böswillige Unterstellung. Das Umgekehrte ist richtig: Es ist nicht notwendig, dass die Renten gekürzt werden. Die Pensionskassen haben schon immer Renten über dem gesetzlichen Minimum erwirtschaftet. Statt einer Senkung der Renten sind risikogerechte Vermögensanlagen gefordert.»
Häberli: «Die Verwaltungskosten der 2. Säule betragen offiziell fast 4 Milliarden Franken pro Jahr. Inoffiziell sind es laut ‹Bilanz› weitere 4 Milliarden, die von den Banken kassiert werden. Deshalb müssen die Renten nicht gekürzt werden.»


Behauptet wird:
Die Renten sind nicht mehr sicher.

Tatsache ist:
Häberli: «Diejenigen, welche die Altersguthaben auf diesem Bild für sich in Sicherheit bringen, sind die Manager und die Vermögensberater. Wie Motten fressen diese zurzeit Löcher in die Vorsorgekassen und nehmen sich laut ‹Bilanz› zehnmal mehr, als durch die Senkung des Umwandlungssatzes eingespart werden kann.»
Piller: «Die Linke stiehlt nichts, sie will nur verhindern, dass gestohlen wird. Die Pensionskassenrenten sind heute
sicher und werden es auch noch morgen sein.»
Brändli: «Mit einem Ja sollen wahrscheinlich die Einnahmen der Versicherer im Vorsorgegeschäft gesichert werden. Versicherungsgesellschaften sind aber fürs Pensionskassengeschäft nicht geeignet.»


Behauptet wird:
Die Jungen müssen die 2. Säule sanieren, sonst gehen sie leer aus.

Tatsache ist:
Brändli: «Auch hier ist das Gegenteil der Fall: Die Jungen haben nur dann einen Nachteil, wenn sie mit einem Ja am 7. März zustimmen, dass ihre spätere Rente gekürzt wird. Tatsache ist: Pensionskassen sind äusserst risikofähig. Sie eignen sich für langfristige Anlagestrategien und halten vorübergehenden Marktschwankungen stand. Das Vermögen der Kassen ist in der Vergangenheit viel stärker gewachsen, als Altersguthaben ausbezahlt werden mussten. Ein vorauseilender Rentenverzicht ist darum – auch bei momentan tiefen Zinsen – nicht angezeigt.»
Piller: «Diese Aussage ist falsch. Die steigende Lebenserwartung wurde ohnehin bereits bei der letzten Gesetzesrevision berücksichtigt. Eine weitere Senkung führt zu massiven Rentenkürzungen – auch und gerade bei den Jungen.» 


Behauptet wird:
Es entsteht ein Schuldenberg, den die Erwerbstätigen finanzieren müssen.

Tatsache ist:
Brändli: «Diese Behauptung ist falsch. Die Altersrenten der Pensionskassen werden durch die eigenen Beiträge der Erwerbstätigen sowie Zinsgutschriften finanziert. Wenn der Umwandlungssatz hingegen weiter schrumpft, müssen die Lohnabzüge erhöht werden, damit das Ziel der 2. Säule erreicht wird: eine Altersrente in der Höhe von 60 Prozent des letzten Einkommens vor der Pensionierung zu erhalten.»
Piller: «Es gibt keinen Schuldenberg – und es wird auch keiner entstehen. Das Einzige, was an Berg vorhanden ist, sind aufgeblasene Verwaltungskosten.»


Behauptet wird:
Es entsteht ein Rentenloch, das die Jungen finanzieren müssen.

Tatsache ist:
Brändli: «Junge graben sich ihr eigenes Rentenloch, wenn sie am 7. März voreilig mit einem Ja auf ihre berechtigten Ansprüche verzichten. Die Erfahrung zeigt, dass Pensionskassen hohe Renten erwirtschaften können und trotz der zunehmenden Lebenserwartung problemlos zu Rande kommen.»
Häberli: «Für die künftigen Renten reicht das angesparte Geld, wenn es zu fairen Bedingungen angelegt werden kann. Mit den hohen Verwaltungskosten wird den Jungen unnötig viel weggenommen.»
Piller: «Wer seriös rechnet, stellt fest, dass es kein Rentenloch gibt. Das bestätigen auch namhafte Vertreter der grössten autonomen Pensionskassen in der Schweiz, wie jene der Post und der Novartis.»

 

 


Herbert Brändli

Pensionskassenexperte und Geschäftsleiter der B+B Vorsorge AG

 

 

Christoph Häberli

Mitglied des Stiftungsrats der Pensionskasse des schweizerischen Baumeisterverbandes

  

Otto Piller

ehemaliger Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen

 

 

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1 Kommentar

Jürg Troxler
08.03.2010 18:28

Sehr geehrte Herren
Es war ein Trauerspiel, wie die Rechten, die Linken und die Mitteparteien mit Behauptungen um sich geschlagen haben, was mit den Renten passieren könnte oder werde, wenn der Umwandlungssatz (nicht) gesenkt werde. Zweifellos sind die 3 Herren Brändli, Häberli und Piller Experten in Sachen Renten. Aber auch sie sagen ohne Beweise nur, dass alles nicht stimme und die Renten überhaupt nicht in Gefahr seien.
So erwarte ich, dass beispielsweise Herr Otto Piller als studierter Physiker / Mathematiker endlich Fakten in Form von Zahlen und Diagrammen über die Entwicklungen der Pensionskassen in die Presse bringt.
In den Medien wird nur behauptet oder gelogen. Es gibt genug Ingenieure, Mathematiker und Physiker, die solche Berichte in der Presse vertehen würden. Aber ohne Fakten können auch sie nicht beurteilen, was gescheit wäre. Vor allem kann keine fundierte Diskussion geführt werden.
Also bringen Sie bitte Zahlen und Fakten auf den Tisch.
MFG J. Troxler